» #MaHe - Der Ortsteil Kaulsdorf in Marzahn-Hellersdorf!

Butzer See Kaulsdorf
Dorfkirche Kaulsdorf
Kreuzkirche Kaulsdorf
Krankenhaus Kaulsdorf

» #MaHe - Geschichte des Ortsteils Kaulsdorf

Die Geschichte des heutigen Berliner Ortsteils Kaulsdorf reicht viele Jahrhunderte zurück. Nach dem heutigem Wissensstand entstand Kaulsdorf ursprünglich vor dem Jahr 1200 im Zuge der Deutschen Ostsiedlung. Dieser Vorgang bezeichnete die Einwanderung deutschsprachiger Siedler in die östlichen Randgebiete des Heiligen Römischen Reiches während des Zeitalters des Hochmittelalters. Bei diesem Vorgang wurde das Dorf jedoch nicht neugegründet, sondern entstand wahrscheinlich aus einer slawischen Siedlung. Beweise dafür lieferten archäologische Funde wie Scherben aus der besagten Zeitepoche. Bereits um das Jahr 1250 erfolgte die Errichtung der heute noch bestehenden Dorfkirche Kaulsdorf, welche zu der Zeit ein einfacher Feldsteinbau im romanischen Stil war. Bauliche Veränderungen gaben der auch heute unter dem Namen Jesuskirche bekannten Kirche sein Aussehen. Eine erste offizielle Erwähnung Kaulsdorfs gab es jedoch erst viele Jahre später. Den ersten Hinweis auf dem Ursprung des namens Kaulsdorf ergibt sich aus dem Namen eines früheren Bewohners des Dorfes. Der Name des Bewohners war „Nicolao de Caulestorp“. In einer Schenkungsurkunde des Markgrafen Ludwig der Ältere (auch unter dem Namen Ludwig der Brandenburger bekannt) an die Kalandsbrüder in Bernau im Jahr 1347 wurde der Ortsteil erstmals als „Caulstorp“ erwähnt.

Im Jahr 1412 wurde Kaulsdorf Altargut der Petrikirche zu Cölln an der Spree. Die Petrikirche gehörte als Stadtpfarrkirche von Cölln zu den ersten fünf Kirchen der neuen Doppelstadt Berlin-Cölln. Die Stadt Cölln befand sich im heutigen Berlin-Mitte und war bis zum Jahr 1710 eine eigenständige Stadt. Etwa 124 Jahre später, im Jahr 1536, wurden die Rechte der Petrikirche an die Domkirche Berlin abgetreten. Im Jahr 1539 wird im Zuge der Reformation Kaulsdorf Tochterkirche von Biesdorf. Die Reformation in dieser Zeitepoche bezeichnete die kirchliche Erneuerungsbewegung im 16. Und 17. Jahrhundert, die zur Spaltung des Christentums in verschiedene Konfessionen (katholisch, reformiert und lutherisch) führte. Wohnhäuser bildeten sich um die Kirche herum und bildeten ein für diese Zeit typisches Angerdorf. Ein Angerdorf kennzeichnet sich dadurch, dass Bauwerke um einen sehr zentralen Platz erbaut wurden, wie in dem Beispiel um die Dorfkirche Kaulsdorf.

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 zogen an Kaulsdorf nicht ohne Spuren vorbei. Das Dorf wirkte wie ausgestorben, alle Bewohner hatten ihre Wohnungen verlassen und alle Häuser und Höfe waren verwüstet. Bis in das Jahr 1652 kehren wieder fast alle Bewohner nach Kaulsdorf zurück und bauten das Dorf wieder neu auf. Zwischen den Jahren 1782 und 1785 erwarb der Berliner Physiker und Chemiker Franz Carl Achard das Kaulsdorfer Freigut und unternimmt Versuche zur Zuckergewinnung aus Rüben. Er baute dort verschiedene Pflanzen an und untersuchte ihre Eignung. Im Zuge dessen entschied er sich für die Runkelrübe und versuchte diese weiter zu Züchten. Nach einem Feuer im Jahr 1786 entschied sich Franz Carl Achard seine Versuche außerhalb von Kaulsdorf, in Französisch Buchholz, fortzusetzen. Zu Ehren Franz Carl Achard wurde eine Gedenktafel am Haus Dorfstraße 1 angebracht und eine Grundschule im Ortsteil nach ihn benannt. Im Jahr 1848 wurde eine Art Flurbereinigung abgeschlossen um eine Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft zu erreichen. Dies erfolgte über eine private Neuverteilung der vormals gemeinsam genutzten landwirtschaftlichen Flächen.

Eine wichtige Erweiterung der Infrastruktur erfolgte im Jahr 1869. Die Eröffnung des Haltepunkts der Königlichen Ostbahn gaben Bewohnern und Händlern neue Freiheiten. Die Haltestelle hieß zunächst Caulsdorf, wurde aber im Jahr 1881 in Kaulsdorf umbenannt. Die erste Gemeindevertreterwahl fand 1874 statt. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Kaulsdorf aber noch dem neu gebildeten Amtsbezirk Biesdorf an und war bis 1920 Teil des Kreises Niederbarnim.

Ab 1905 erhielt Kaulsdorf erstmals einen Wasser- und Gasanschluss. Des Weiteren wird 1916 das Wasserwerk im Kaulsdorfer Busch fertiggestellt und in Betrieb genommen. Einen eigenen Stromanschluss bekamen die Bewohner Kaulsdorf erst im Jahr 1920. Im selben Jahr wurde das Dorf nach Berlin eingegliedert, jedoch nicht wie heute in den Bezirk Marzahn-Hellersdorf, sondern in den Berliner Bezirk Lichtenberg. Am 17. Mai 1926 gründete die NSDAP die Kaulsdorfer Sektion als erste die östlichen Berliner Ortsteile. Ab 1939 wird in Kaulsdorf ein Krankenhaus für Zwangs- und Fremdarbeiter errichtet. Dieses Krankenhaus gibt es auch heute noch und ist unter dem Namen Vivantes Klinikum Kaulsdorf bekannt. Der frühere Priester der Dorfkirche Kaulsdorf war bekannter Gegner des Nationalsozialismus und wurde in Folge dessen in einem Konzentrationslager inhaftiert. Den Aufenthalt im Konzentrationslager überlebte er und wurde später frei gelassen. Um den ehemaligen Priester zu ehren, wurde eine Straße am S-Bahnhof Kaulsdorf Heinrich-Grüber-Straße benannt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges marschierte am 22. April 1945 die Rote Armee in Kaulsdorf ein. Zu Ehren der gefallenen Soldaten wurde ein sowjetisches Ehrenmal mit der Inschrift „Ewiger Ruhm Euch Recken des russischen Volkes, die Ihr die Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat verteidigt habt. Ewiger Ruhm den Kämpfern der Roten Armee, die im Kampf um die Einnahme Berlins gefallen sind. Ewiger Ruhm Euch Helden, die Ihr die Ehre, Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat verteidigt habt.“ An der Kreuzung Brodauer/Waplitzer Straße errichtet.

Im Jahr 1979 wurde der Ortsteil aus dem Berliner Bezirk Lichtenberg ausgegliedert und in den Bezirk Marzahn neu eingegliedert. Eine weitere Veränderung erfolgte wiederum einige wenige Jahre später, denn 1986 wurde Kaulsdorf Teil des Berliner Bezirks Hellersdorf. 1986 wurde ein weiteres wichtiges Infrastrukturprojekt fertiggestellt, es erfolgte die Eröffnung des S- und U-Bahnhofes Wuhletal. Eine Besonderheit der Station ist die gleichzeitige Bedienung von U- und S-Bahnen auf einem Bahnsteig. Im Jahr 1999 erhielt die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Turmspitze der Dorfkirche eine neue Spitze. Das ganze Vorhaben wurde nur aus Spendenmitteln finanziert. Zuletzt wurde der Ortsteil Kaulsdorf in Verbindung mit Biesdorf, Marzahn, Hellersdorf und Mahlsdorf ein Teil des neuen Berliner Bezirks Marzahn-Hellersdorf.

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